Nach dem Tod eines Angehörigen in der Türkei kann das
Erbverfahren häufig mit Unsicherheiten verbunden sein. Insbesondere für Erben,
die im Ausland leben, ist es oft nicht einfach festzustellen, welchen Umfang
das Vermögen des Verstorbenen in der Türkei tatsächlich hat.
In der Praxis stellen sich viele Erben unter anderem
folgende Fragen:
In solchen Fällen sieht das türkische Recht ein wichtiges
rechtliches Instrument vor: die Klage auf Feststellung des Nachlasses.
In diesem Beitrag erläutern wir, was eine
Nachlassfeststellungsklage ist, in welchen Fällen sie erhoben wird und wie im
Ausland lebende Erben dieses Verfahren durchführen können.
Was ist ein Nachlass (Tereke)?
Im türkischen Recht bezeichnet der Begriff „Tereke“
das gesamte Vermögen, das der Verstorbene zum Zeitpunkt seines Todes
hinterlassen hat.
Zum Nachlass können unter anderem gehören:
Mit anderen Worten umfasst der Nachlass sowohl Aktiva als
auch Passiva des Erblassers.
Damit eine gerechte Aufteilung der Erbschaft erfolgen kann,
muss zunächst der gesamte Nachlass vollständig und korrekt festgestellt werden.
Was ist eine Klage auf Feststellung des Nachlasses?
Die Klage auf Feststellung des Nachlasses dient dazu,
das Vermögen des Verstorbenen gerichtlich ermitteln und offiziell feststellen
zu lassen.
Im Rahmen dieses Verfahrens fordert das Gericht
Informationen von verschiedenen Behörden und Institutionen an, um das Vermögen
des Erblassers zu ermitteln.
In der Regel werden Auskünfte eingeholt bei:
Auf diese Weise wird das Vermögen des Verstorbenen auf
Grundlage offizieller Register festgestellt.
In welchen Fällen wird eine Nachlassfeststellungsklage
erhoben?
In der Praxis wird diese Klage insbesondere in folgenden
Situationen erhoben:
Wenn das Vermögen des Erblassers nicht bekannt ist
Erben, die im Ausland leben, kennen häufig nicht das gesamte
Vermögen des Verstorbenen in der Türkei.
Wenn zwischen den Erben keine Transparenz besteht
In manchen Fällen geben einzelne Erben keine Informationen
über vorhandenes Vermögen weiter.
Wenn der Verdacht auf Vermögensverschiebungen besteht
Insbesondere Vermögensübertragungen kurz vor dem Todesfall
können Anlass zu Zweifeln geben.
Wenn vor der Erbteilung zunächst der gesamte Nachlass
festgestellt werden soll
Für eine gerechte Aufteilung der Erbschaft ist es notwendig,
zunächst den gesamten Nachlass zu ermitteln.
Können im Ausland lebende Erben diese Klage in der Türkei
erheben?
Ja. Auch Erben, die im Ausland leben, können eine Klage auf
Feststellung des Nachlasses in der Türkei erheben.
Eine persönliche Anwesenheit in der Türkei ist hierfür nicht
zwingend erforderlich.
Das Verfahren läuft in der Regel wie folgt ab:
Die Vollmacht kann in der Regel über ein türkisches Konsulat
im Ausland erteilt werden.
Zuständiges Gericht
Für Nachlassfeststellungsklagen ist in der Regel das Amtsgericht
am letzten Wohnsitz des Erblassers zuständig.
Das Gericht fordert die notwendigen Informationen von den
relevanten Institutionen an und stellt den Nachlass fest.
Was passiert nach der Feststellung des Nachlasses?
Nach der Feststellung des Nachlasses können Erben weitere
rechtliche Schritte einleiten, wie zum Beispiel:
Die Nachlassfeststellung stellt daher häufig den ersten
wichtigen Schritt im Erbverfahren dar.
Warum ist dieses Verfahren für im Ausland lebende Erben
wichtig?
Für viele im Ausland lebende türkische Staatsangehörige kann
das Erbverfahren in der Türkei schwierig sein, insbesondere aufgrund von:
Die Klage auf Feststellung des Nachlasses schafft hier
Transparenz und ermöglicht eine klare Ermittlung des Vermögens.
Rechtliche Unterstützung bei Erbverfahren in der Türkei
Erbverfahren in der Türkei können insbesondere für im
Ausland lebende Erben komplex sein.
Die Recherche von Immobilien, Bankkonten sowie die
Durchführung gerichtlicher Verfahren erfordern häufig professionelle rechtliche
Unterstützung.
Vural & Demir Law Firm vertritt Mandanten sowohl
in der Türkei als auch im Ausland in verschiedenen erbrechtlichen
Angelegenheiten in der Türkei.